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Santiago de Compostela 2005
Reisebericht unserer Pilgerreise auf dem Küstenweg
Am 08. Juli 2005 war es wieder soweit. Nachdem wir im letzten Jahr 500 km auf dem französischen Jakobsweg von Burgos nach
Santiago gelaufen waren, entschieden wir uns in diesem Jahr für eine andere Route. Der Küstenweg in Asturien, bzw. der Camino del norte in Galicien werden nur etwa von 10% aller Pilger nach Santiago de Compostela
begangen. Diese Route ist jedoch historisch älter als der Camino Frances, denn nur der Weg an der Küste war im 9. Jahrhundert einigermaßen sicher im von den Mauren fast ganz besetzten Spanien. Erst später
entwickelte sich der Französische Weg südlich der Kantabrischen Berge zum Hauptweg für die aus Osten kommenden Pilger.
Aus zeitlichen Gründen, war es uns leider nur möglich, den Wegabschnitt von Gijon nach Santiago zu laufen. Wir flogen
nach Santander und fuhren per Bus zu unserem Ausgangspunkt, der Großstadt Gijon. Wir, das waren Thomas, Andreas, Francesco, Br. Frank und Br. Klaus. Für die rund 370 km benötigten wir 16 Tage. Um es gleich vorneweg
zu sagen: Es war wieder ein einmaliges Erlebnis. Neben den Anstrengungen und auch Schmerzen, die auch diesmal nicht ausblieben, beeindruckte vor allem die Landschaft : endlose Steilküsten und Strandabschnitte, Berge
und Wälder – alte Kirchen und Klöster und vor allem Einsamkeit. Nie hatten wir Schwierigkeiten, einen Platz in den Pilgerherbergen zu bekommen. Im Vergleich zum Camino Frances waren wir oft völlig alleine
unterwegs....bis wir auf zwei liebe Pilgerinnen aus Österreich trafen. Christine und Marianne, zwei Lehrerinnen, bereicherten unsere Pilgertour vor allem mit ihrem Liedgut und ihrer guten Laune. „Wir starteten zu
fünft und kamen zu siebt in Santiago an – aber eigentlich waren wir immer zu acht, denn der liebe Gott war immer bei uns“, stellte Andreas nach der Ankunft fest. Wie wahr ! Trotz aller Strapazen und auch einiger
Probleme hatten wir immer was wir brauchten, waren immer behütet und begleitet. Keiner musste aufgeben oder pausieren.
Pilgern auf dem Jakobsweg – das heißt Meditation. In einer Zeit, in der Entfernungen kurz und Zeit knapp ist, bedeutet der
Jakobsweg eine andere Dimension. 30 km sind 30.000 Meter und wollen erst einmal erlaufen sein. Das braucht seine Zeit. Der Terminkalender, das Auto und das Handy spielen keine Rolle mehr. Zeit scheint zu
verschwimmen und dehnt sich – eröffnet dadurch neue Perspektiven: für Landschaften und Mitmenschen; und für einen selbst. Zeit einmal auf Gott und sich selbst zu schauen, die Seele zu erforschen.
Sicherlich war der Weg auch beschwerlich – wie das leben im Alltag auch. Aber gerade dann stellt sich die Frage, wie man mit
Schwierigkeiten umgeht. Durchhalten und nicht aufgeben. In einer Zeit, in der einem die Werbung glauben macht, man könne sich alle Problemlösungen kaufen, kennt der Jakobsweg keine Kompromisse. Er fordert dich
heraus, sich mit deinem Problem, mit deinen Nöten auseinander zusetzen. Und er führt Dich zum Ziel. Und es zu erreichen beschert einem ein sagenhaftes Glücksgefühl. Mögen sich die Gelehrten streiten, ob der Hl.
Jakobus wirklich in Santiago de Compostela begraben liegt – für denjenigen, der einmal nach so vielen Entbehrungen dorthin gelaufen ist, spielt das nicht die entscheidende Rolle.
Auf die Frage „Warum pilgert ihr, warum nehmt ihr täglich diese Strapazen auf Euch?“ möchte ich einen Triathleten zitieren:
„Denen, die es machen, braucht man es nicht zu erklären – und Denen, die es nicht machen, kann man es nicht erklären“.
Weitere Informationen zum Jakobsweg
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